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Vorstandsvorsitzender Heiko Jaap im Interview

01.09.2019

Wir haben uns mit Heiko Jaap (48), dem Vorstandsvorsitzenden unseres Greifswalder FC, in seiner Kanzlei getroffen und uns mit ihm über seine Person, sein Engagement im Verein und die Möglichkeiten des GFC für die Zukunft im Allgemeinen unterhalten. Wie beurteilt er die Jugendarbeit unseres GFC, was sagt er zur Wahrscheinlichkeit eines zeitnahen Aufstiegs der ersten Mannschaft? Welche Möglichkeiten gibt es hinsichtlich des Greifswalder Volksstadion und der Stadt? Alle Antworten bekommt ihr in diesem Portrait. Viel Spaß beim Lesen! #beafriend


Wie lange bist du schon beim Greifswalder FC?
Seit 2015 bin ich dabei. Ich wurde zu diesem Zeitpunkt gefragt, ob ich nicht im Vorstand mitarbeiten möchte. Damals war Michael Lüdeke noch Vorstandsvorsitzender und ich bin sein Stellvertretender geworden. Nachdem er dann zurückgetreten ist, bin ich 2016 zum Vorstandsvorsitzenden gewählt worden. Ich war aber vorher schon sehr interessiert am Greifswalder Fußball und bin immer zu den Spielen gegangen. Ich habe auch kurz in der Juniorenmannschaft des KKW Greifswald gespielt.

Was war deine schönste Erinnerung im Greifswalder Fußball?
Definitiv das Relegationsspiel gegen Sachsen Leipzig. Ich war natürlich auch im Stadion und ich erinnere mich noch sehr genau daran. Grandiose Stimmung. So viele Zuschauer hat das Volksstadion selten gesehen. Ich glaube es waren auch mehr als die angegebenen 5000 im Stadion. Leider ging das Spiel 2:4 aus, aber es hinterließ trotzdem eine positive Erinnerung. Letzte Saison schloss der Greifswalder FC die Spielzeit als zweitbestes Team M-Vs ab. Unsere Herrenmannschaft erreichte einen souveränen 3.Platz in der NOFV Oberliga Nord.

Wie beurteilst die aktuelle Leistung der ersten Mannschaft? Ist in naher Zukunft ein Aufstieg geplant bzw. soll es überhaupt höher gehen?
Ich habe es nie ausgeschlossen, dass der Verein irgendwann mal in der Regionalliga spielen kann. Als konkretes Ziel für diese Saison ist es aber vollkommen unrealistisch. Für uns kann es nur heißen, das zu bestätigen, was wir letzte Saison geschafft haben. Ein erneuter 3. Platz in der Oberliga würde unsere Erwartungen mehr als erfüllen. Es ist halt das schwierige zweite Jahr. Die Mannschaften haben sich auf unsere Spielweise eingestellt. Wir müssen auch Abgänge wie den von Frank Rohde erst einmal kompensieren. Wirtschaftlich wäre ein Aufstieg in der jetzigen Situation auch nicht zu realisieren. Wir erfüllen beispielsweise die Stadionauflagen der Regionalliga nicht. Im Zuge der letzten Saison haben wir diese Auflagen schon zu geschickt bekommen, weil wir oben mitspielten. Es fehlt schon an einigen Dingen. Spielertunnel, ein separater Raum für die Dopingkontrollen und die klare Fantrennung beispielsweise. Natürlich braucht es, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufs Feld zu bringen, einen finanziellen Background. Diesen haben wir heute noch nicht. Wir können nur hoffen, dass Sponsoren und Firmen auch den Wunsch haben, dass der Greifswalder Fußball Club in der Regionalliga spielt. Wir wollen auch mehr Zuschauer ins Stadion bekommen. Das liegt uns etwas im Magen. Ein Schnitt von 500-600 Zuschauer muss unser Anspruch sein. Wir haben also noch einige Arbeit vor uns.

Was plant man mit der Stadt zwecks des Stadions? Hat der GFC da überhaupt irgendeinen Einfluss?
Wir wissen alle, dass die Stadt natürlich nicht so wahnsinnig vermögend ist. Ich habe die leise Hoffnung, weil wir einen neuen Sportausschuss haben, der den Sport etwas mehr in den Fokus rücken soll, dass etwas mehr passiert. Es hängt aber alles an den finanziellen Möglichkeiten. Ich bin da jetzt nicht so optimistisch, dass sich in den nächsten Jahren etwas hinsichtlich des Volksstadions entwickelt. Die Stadt weiß auch, dass das Volksstadion ausbaufähig ist. Vielleicht kann dieser neue Sportausschuss etwas bewirken.

Wie bewertest du die Arbeit von Roland Kroos?
Der ganze Vorstand ist von der Arbeit Rolands total überzeugt. Seine Ansprachen gegenüber der Mannschaft bezeichne ich als herausragend. Das ist einer der Gründe, wieso wir den Aufstieg in die Oberliga mit ihm überhaupt geschafft haben. Die Mannschaft war schon relativ weit, doch er hat ihnen noch einmal zum letzten Schritt verholfen. Ich habe ein sehr gutes, fast freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Wir telefonieren 2-3 Mal die Woche.



Im Nachwuchs lief es letzte Saison hervorragend. Sind dieses Jahr die Ziele vielleicht ein bisschen höhergesteckt?
Wir haben schon in der letzten Saison erlebt, dass die Nachwuchsarbeit der Vergangenheit Früchte trägt. Es war eine der erfolgreichsten Saisons der letzten Jahre. Trotzdem gibt es weiterhin Verbesserungsbedarf. Das Problem der A-Jugend ist immer noch da. Das betrifft die Quantität, es sind sehr wenig Jungs da. Die Jungs bzw. jungen Männer der A-Jugend haben natürlich noch andere Interessen bzw. gehen wegen einer Ausbildung weg. Es ist aber nicht schwer, die A-Jugend am Leben zu halten, weil in der B-Jugend viel los ist. Wir haben aber auch vier Spieler aus der A-Jugend hochbekommen. Das ist ja das Ziel eines Vereins, personell aus dem eigenen Nachwuchs zu schöpfen. Mit Denny Felgenhauer, Julian Rüh, Arvid Töllner und Luca Klatt haben wir vier Nachwuchsspieler, die praktisch schon Bestandteil der ersten Mannschaft sind. Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden. Es ist Wahnsinn, was die ganzen Nachwuchstrainer für eine tolle Arbeit leisten. Das möchte ich noch einmal positiv herausstellen. Die Jugenden A, B, C, D sind alles Verbandsliga. Wenn man in den höchsten Ligen M-Vs spielt, muss man einfach zufrieden sein. Die vergangenen Leistungsvergleiche, gerade der unteren Jahrgänge, zeigen, dass man mit namhaften Vereinen mithalten kann.

Wie beurteilst du die zweite Mannschaft?
Letzte Saison war es eine schwierige Saison. Wir haben mit Mathias Raths einen sehr kompetenten und engagierten Trainer. „Rathsi“ hat selbst gesagt, dass er oben mitspielen will. Ich habe auch das Spiel gegen die SG Karlsburg/Züssow gesehen, wo wir verdientermaßen gewonnen haben. Ich denke, dass dieser Anspruch berechtigt und realisierbar ist. In dieser Mannschaft sind auch wieder Spieler der A-Jugend drin, was ihr sehr guttut. Sie ist etwas überaltert gewesen. Es ist für die Nachwuchsspieler eine gute Möglichkeit, sich vielleicht über die zweite Mannschaft auf höhere Ziele vorzubereiten.

Was machst du neben dem Fußball?
Ich bin in der Bürgerschaft tätig, also kommunalpolitisch aktiv. Freizeitmäßig hat meine Familie leider viel zu wenig von mir, weil ich so viel um die Ohren habe. Das ist sehr schade, weil mir die Familie sehr wichtig ist. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, die wollen ihren Papa natürlich auch mal sehen. Leider kommt auch mein geliebtes Golfspielen zu kurz.