Geschichte

Volksstadion Greifswald

Liebe Fußballfreunde, wir möchten auf dieser Seite die Gelegenheit nutzen und den geschichtlichen Hintergrund des Greifswalder Volksstadions aufbereiten. Das am 29.05.1927 eingeweihte Areal bietet mit seiner über 80-jährigen Geschichte viel Berichtenswertes. Wir würden uns freuen, wenn sich Interessenten finden, die uns bei der Aufbereitung mit Stories und/oder Fotomaterial unterstützen!

Kontakt: p.weickert@greifswalder-fc.de oder per Telefon in der Geschäftsstelle! 




Zuschauerrekorde

Meisterschaft: 12.000 gegen Motor Brandenburg, 06.12.1958

Pokalspiel: 7.500 gegen den 1.FC Magdeburg, 04.10.1974

Freundschaftsspiel: 14.000 gegen Bayern München, 16.07.1997


Als der Sport die Wehrpflicht ersetzte Mit einem einstimmigen Beschluss des Bürgerschaftlichen Kollegiums wurden in der Weimarer Republik die Weichen für den Bau des heutigen Volkstadions gestellt. Sportvereine sollten Wehrertüchtigung leisten.

Der Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen für andere Zwecke war schon in den 1920er Jahren ein Thema, das die Gemüter erregte. Allerdings ging es in diesem Fall nicht um Straßen oder Eigenheimgebiete. Schon 1918/19 sollte im Rahmen eines Bebauungsplanes die Sportplatzfrage in Greifswald gelöst werden, heißt es in dem Bericht von Walter Dettmann zum 30. Geburtstag der Greifswalder Kampfbahn, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Namen Volksstadion erhielt.

Diese Schrift und weiteres Material stellte Sportamtsleiter Bernt Petschaelis zur Verfügung. Die Bürgerschaft stritt acht Jahre ums Projekt. Laut Dettmann war der Bauer Crawack der Inspirator des Widerstandes, er baute hier Weizen an. Vorallem in der konservativen Deutschnationalen Volkspartei sei das Projekt umstritten gewesen. Der Stadtverordnete Luther wollte1925 lieber in den Schützenplatz (Stralsunder Straße) und in die "Normandie" (jetzt Philipp- Müller-Stadion) investieren. Aber dann nahm das Vorhaben nach Einsetzung einer Kommission doch Fahrt auf.

Am 13. November 1925 votierte das Bürgerschaftliche Kollegium sogar einstimmig für den Bau der Greifswalder Kampfbahn und bewilligte 75 000 Mark. Schon im Januar 1926 begann mit demersten Spatenstich die Ausführung der Pläne des Stadtbaumeisters Gustav Bastel. Dieser legte nach eigenem Zeugnis besonderen Wert auf die Verbindung zur Bismarcksäule. "Der formvollendete Bau beherrscht die weite Grünfläche der neuen Kampfbahn", schrieb Bastel. "Diese eindrucksvolle Wirkung wird sich noch steigern, wenn das Denkmal rückseitig geschlossener umpflanzt und auch im Süden der Kampfbahn ein fester Ausgangspunkt geschaffen wird." Das Pflanzenmaterial wurde zum überwiegenden Teil von der städtischen Anlagenverwaltung und der städtischen Forstverwaltung zur Verfügung gestellt.

Laut Bastel führten alle Arbeiten Greifswalder Firmen aus. Bastel erinnerte in der Festschrift an die Planungen der Stadt. Straßen würden Richtung Kampfbahn angelegt. Das sei schon in der Moltkestraße (heute Blumstraße) sichtbar. Diese Straße werde das Universitätsgebiet (Gelände ab Zahnklinik/Biotechnikum) "in Form einer breiten Grünfläche durchziehen. Von hier aus wird die Straße als Parkweg zum Hain weitergeführt." Wie man sich heute überzeugen kann, wurden diese Pläne weitestgehend umgesetzt.

Am 29. Mai 1927 erfolgte die Einweihung der Kampfbahn an einem Tag wie im Sommer 2011. Wie Dettmann schreibt, marschierten die Sportvereine, Schulen und studentischen Korporationen durch die Stadt. "Mit dem Ummarsch des Festzuges setzte ein heftiger Regen ein, der von scharfen und kalten Windböen begleitet wurde. Während der Festrede des Oberbürgermeisters Fleischmann prasselte der Regen auf die aufgespannten Schirme nieder. Die Fahnen knatterten im Wind, die Schulkinder froren und von der Festrede war im weiten Raum nicht viel zu verstehen. Erst als die Massenfreiübungen der Schüler begannen, klärte es sich auf."

Interessant ist, was für Sportarten für diesen großen Tag ausgewählt wurden: Nach Faustball, Volkstänzen und Rhönradvorführungen wurden Radball, Handball und Hockey gespielt. Fußball gab es aber auch. Der parteilose Oberbürgermeister Max Fleischmann (Namensgeber der Greifswalder Fleischmannstraße) hielt übrigens eine sehr nationale Rede. Die Turn- und Sportvereine müssten als Erziehungsfaktor an die Stelle des Heeres nach der Abschaffung der Wehrpflicht treten, forderte er. Um aus dem Elend, aus Armut und Not herauszukommen, müsste eine "kraftvolle Volkserziehung" durchgeführt werden. Auch der Medizinprofessor Dresel meinte laut Festschrift zur Einweihung der Kampfbahn, "das der körperlichen Not unserer Jugend beiderlei Geschlechts" entgegengearbeitet werden müsse. "Rundein Drittel aller Schulrekruten haben irgendwelche körperlichen Mängel."

Unabhängig davon führte die neue Anlage zu einem Aufschwung des Sports. Laut Dettmann konnte im Fußball zwar nie wieder wie 1913 im Rahmen des Deutschen Turnerbundes eine Deutsche Meisterschaft erkämpft werden. Aber der Greifswalder Sportclub stieg in die Gauliga Pommern auf. Er habe mehrere Jahre ein ernstes Wort bei der Vergabe des Pommernmeisters mitgeredet.

(wird fortgesetzt)